ENTGELTLICHE ABLÖSE EINES FRUCHTGENUSSRECHTS

Fruchtgenussvereinbarungen stellen für Steuerpflichtige oftmals ein steuerliches Risiko dar, sofern nicht die unzähligen steuerlichen Voraussetzungen ordnungsgemäß befolgt werden.

 

Der folgende Newsletter behandelt nur die entgeltliche Ablöse eines Fruchtgenussrechts, nicht jedoch die erforderlichen Voraussetzungen für die Einräumung des Fruchtgenusses, Behandlung der Abschreibung, etc.

 

Bisher war die Frage der ertragsteuerlichen Behandlung der entgeltlichen Ablöse eines Fruchtgenussrechts im außerbetrieblichen Bereich strittig. Eine dazu ergangene Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH Ra 2016/13/0029, 31.03.2017) bringt in diesem Zusammenhang nunmehr Rechtssicherheit, wobei die Entscheidung des VwGH aus Sicht des Steuerpflichtigen durchaus positiv zu bewerten ist.

 

Aus steuerlicher Sicht ist bei Fruchtgenussvereinbarungen insbesondere zwischen dem Vorbehaltsfruchtgenuss und dem Zuwendungsfruchtgenuss zu unterscheiden:

  • Beim Zuwendungsfruchtgenuss erfolgt die Einräumung des Fruchtgenussrechts an der Fruchtgenusssache durch den Eigentümer (Fruchtgenussbelasteten), ohne damit zugleich das zivilrechtliche Eigentum (etwa an der Liegenschaft) zu übertragen.

Beispiel: Der langjährige zivilrechtliche Eigentümer A räumt einer Person B ein Fruchtgenussrecht an seinem Mietwohnhaus ein. Dem Fruchtnießer B kommt das Recht zu, das Mietwohnhaus mit Schonung der Substanz ohne jegliche Einschränkung zu „genießen“ und etwa die Mieteinnahmen daraus einzunehmen. A bleibt weiterhin zivilrechtlicher Eigentümer der Mietwohnung. 

  • Im Unterschied dazu wird beim Vorbehaltsfruchtgenussrecht das Eigentumsrecht an der Fruchtgenusssache übertragen, wobei sich der bisherige zivilrechtliche Eigentümer das Fruchtgenussrecht an dem übertragenen Wirtschaftsgut vorbehält. Der bisherige Eigentümer der Liegenschaft wird daher zum Fruchtnießer der Erträge (z.B. der Mieteinnahmen).

 

Ablöse des Fruchtgenussrechts

 

Wird nun das Fruchtgenussrecht vom Eigentümer der Sache (z.B. Liegenschaft) gegen Zahlung eines Entgelts abgelöst, kommt es zu einem teilweisen oder gänzlichen Verzicht des Fruchtnießers auf sein Recht (etwa das Recht, die Mieteinnahmen zu erhalten). Fraglich war bisher, wie eine solche Ablösezahlung aus einkommensteuerlicher Sicht im außerbetrieblichen Bereich (etwa bei einem Fruchtgenussrecht an einem Mietwohnhaus) zu behandeln ist. Die Finanzverwaltung vertrat bis zuletzt die Ansicht, eine Zahlung für die Ablöse des Fruchtgenussrechts stelle Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung dar. Zudem sei die Ablösezahlung auch umsatzsteuerpflichtig.

 

Erkenntnis des VwGH

 

Der VwGH entschied, dass im Falle eines endgültigen Verzichts auf ein Zuwendungsfruchtgenussrecht eine Veräußerung eines Rechtes vorliegt. Dies hat zur Folge, dass eine solche Ablösezahlung nur in ganz bestimmten Fällen (im Wesentlichen bei Verzicht innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist und bei Vorliegen eines vorangegangenen Anschaffungsvorgangs) einkommensteuerpflichtig ist. Erfolgt die Ablöse hingegen später als 1 Jahr nach Einräumung des Fruchtgenussrechts, so liegen im Regelfall steuerfreie Einkünfte vor. Entscheidend ist vor allem, ob es sich um eine zeitlich beschränkte Überlassung des Fruchtgenussrechts handelt oder auf dieses endgültig verzichtet wird. Die Umsatzsteuerpflicht wurde bereits vom Bundesfinanzgericht verneint, der VwGH schloss sich dieser Ansicht an.

 

Ob bzw. unter welchen Voraussetzungen die Vereinnahmung eines Entgelts für die Ablöse des Fruchtgenussrechts oder für die Übertragung des Fruchtgenussrechts an einen Dritten tatsächlich einkommensteuerfrei oder doch einkommensteuerpflichtig ist, ist stets im jeweiligen Einzelfall zu prüfen und zu beurteilen. Wir beraten Sie dabei gerne!